Was ist der Karpaltunnel?

Der Karpaltunnel, der auch als Canalis carpi bezeichnet wird, befindet sich an der palmaren, also zur Handfläche zeigenden, Seite des Handgelenks. Es handelt sich um eine röhrenförmige Durchtrittsstelle für Sehnen und Nerven zwischen Unterarm und Hand.

Begrenzungen

Sowohl knöcherne als auch bindegewebige Strukturen begrenzen den Karpaltunnel. Die in zwei Reihen angeordneten Handwurzelknochen bilden einen nach palmar offenen Bogen. Die dazwischen liegende Vertiefung wird als Sulcus carpi bezeichnet. An ihren Rändern befinden sich zwei Erhebungen: Die Eminentia carpalis radialis liegt an der Daumenseite und wird von den Knochenvorsprüngen des Kahnbeins (Os scaphoideum) und des Großen Vieleckbeins (Os trapezium) gebildet. An der Kleinfingerseite erhebt sich die Eminentia carpalis ulnaris, bestehend aus dem Erbsenbein (Os pisiforme) und dem Hamulus des Hakenbeins (Os hamatum). Zwischen diesen beiden Erhebungen spannt sich das Karpalband (Retinaculum flexorum bzw. Ligamentum carpi transversum). Es handelt sich bei dieser derben Bindegewebsstruktur nicht um ein eigenständiges Band, sondern um einen Teil der Handfaszie. Das Karpalband hat die Aufgabe, die Sehnen auch bei gebeugtem Handgelenk eng an den Handwurzelknochen zu halten.

Hindurchtretende Strukturen

Durch den Karpaltunnel treten die Sehnen der langen Fingerbeuger vom Unterarm zur Hohlhand über. Sehnen sind mit den Knochen verwachsene, bindegewebige Anfangs- und Endstücke von Muskeln. An besonders beanspruchten Stellen, z. B. in Gelenknähe, sind sie von Sehnenscheiden umgeben, deren Aufgabe es ist, die Sehnen zu schützen, zu stabilisieren und durch die enthaltene Synovialflüssigkeit die Reibung zu verringern. Die acht Sehnen der oberflächlichen und tiefen Fingerbeuger (Musculi flexorum digitorum superficiales et profundi) teilen sich im Karpaltunnel eine gemeinsame Sehnenscheide, wohingegen die Sehne des langen Daumenbeugers (Musculus flexor pollicis longus) eine eigene Sehnenscheide besitzt. Auch die Sehne des inneren Speichenmuskels (Musculus flexor carpi radialis) verläuft innerhalb des Karpaltunnels, allerdings in einem eigenen bindegewebig begrenzten Kanal. Eine weitere durchtretende Struktur ist der Nervus medianus oder Mittelarmnerv, der die meisten Beuger des Unterarms und der Hand motorisch innerviert und auch teilweise für die Sensibilität der Handfläche verantwortlich ist. Bei einer Gewebeschwellung in Folge einer Entzündung oder Überlastung kann dieser Nerv im Karpaltunnel eingeengt und dadurch gereizt oder sogar geschädigt werden. Es kommt zum schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom.